Samstag, 23. Mai 2015

Mad Max: Fury Road (Kritik)






Mad Max: Fury Road ist sowas wie die völlig verrückte, aber irgendwie heiße, Heavy Metal-Braut unter den Blockbustern. - 2 Stunden Action mit grandiosen Bildern, einer Menge Lärm, und vorallem, einer Menge Benzin. George Miller hat mit seinem Versuch, die Mad Max Serie aus den 70/80ern wiederzubeleben, ordentlich auf die Kacke gehauen.


Handlung (Spoiler): Der Film entwirft eine Dystopie, in der die Welt wie wir sie kennen, nicht mehr zu existieren vermag. Die rhetorische Frage "Who killed the world?" ist Leitmotiv und bleibt unbeantwortet; wie so viele Fragen, die sich während des Filmes stellen. Doch die Frage ist sehr adäquat, denn das Ödland, das dem Zuschauer präsentiert wird, ist tot und wird von dem skrupellosen, kultisch verehrten Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) beherrscht. Der Protagonist, Max Rockatansky (Tom Hardy), ist ehemaliger Polizist und streift im Alleingang durch die Wüste Australiens bis er von Lakaien (War Boys) des übermächtigen Warlords gefangen genommen und zum lebenden Blutspender für den War Boy Nux (Nicholas Hoult) degradiert wird. Unterdessen versucht Imperator Furiosa, eine der vielen Gefolgsleute Immortan Joes, mit 5 Frauen, die als Brutmaschinen missbraucht werden, in einem Kampftruck zu fliehen. Als sich Max befreien kann, schließt er sich mit Nux der Unternehmung an und trägt nicht zuletzt dazu bei, die Schreckensherrschaft des Warlords zu beenden. Prinzipiell lässt sich die Story auf ein Minimum begrenzen: Die Guten fliehen vor einer Horde Böser; denn 90% des Filmes spielt auf der "Fury Road" in einer actionreichen Hetzjagd.

Bild: In jeder Hinsicht ist Mad Max: Fury Road ein bildgewaltiges Spektakel, das den Wert des Kinos unterstreicht. Markus Keuschnigg bezeichnet den Film als "ein(en) herrlich anachronistisch(en) Fiebertraum in Rostrot und Stahlblau" und bringt es damit auf den Punkt. Es sind die krassen Kontraste der Farbgebung, die die Atmosphäre unterstreichen und mit aufbauen. Neben Farbkontrasten wirken grandios inszenierte Stunts und aufwendig hergestellte Special Effects mitreißend und bescherten mir mit der Sandsturmszene einen meiner schönsten Kinomomente. Mit krassen Weitwinkel-Totalaufnahmen wird häufig die Größe der Landschaft, somit die Nichtigkeit der Personen suggeriert; dieser Film vermittelt dem Zuschauer ein ähnliches Gefühl und erschlägt ihn mit gewaltigen Bildern. 

Ton: Äußerst atmosphärisch, um das Geringste zu sagen. Mit einem unglaublich markanten und mitreißenden Sample iniziiert der Regisseur spätestens nach dem zweiten hören ein starkes unbehagen beim Zuschauer, das ihn an den Kinosessel fesselt. Größtenteils ist der Film an Lautstärke nicht zu überbieten (Soundtrack), glänzt jedoch mit starken Stilbrüchen in sehr stillen Passagen. Völlig abgefahren und genial ist der deplatziert wirkende Gitarrist, der die Horde begleitet (Gitarrenkerl). Außerdem gelingt die zum Thema passende Assoziation der Musik mit den metallischen Geräuschen der Autos, die mit verzerrten Synthesizersamples in den Soundtrack eingebaut sind.  

Deutung: Wer bei dieser zugegeben recht trivialen Handlung mit kaum vorhandenen Dialogen davon ausgeht, dass es sich um einen stupiden Action-Gemetzel-Ballerfilm handelt, täuscht. Der Regisseur kritisiert nicht nur gezielt die politisch, wirtschaftliche Erdausbeutung im Kampf um Öl, sondern parodiert mit seinem kultisch verehrten Warlord den religiösen Fanatismus und Extremismus, wobei er sehr aktuelle Themen/Probleme anspricht und aufzeigt. Viele Zuschauer kritisierten in der Folge den Film aufgrund der wenigen Informationen und Dialoge, doch dieses großartig eingesetzte Stilmittel suggeriert nicht nur die Unwichtigkeit der Sprache in manchen Situationen; eben auch als Errungenschaft der sich entwickelnden Gesellschaft, die im degenerierten Zustand der Dystopie keinen Platz findet, sondern unterstreicht gleichermaßen die Bedrohlichkeit des Schweigens.

Fazit: Mad Max: Fury Road hat alles, außer eine Story -und das ist auch gut so. Dieser Film kommt ohne viel Sprache oder einem krassen Plottwist aus, denn es sind die Bilder, die Atmosphäre und die extra Dosis Verrücktheit, die diesen Film so einzigartig und unterhaltsam machen. Mir bleibt nicht mehr, als diesen Film zu empfehlen (wenn möglich im Kino) und auf eine (angekündigte) Fortsetzung zu hoffen. Vielleicht müssen wir uns tatsächlich irgendwann fragen: Who killed the world?

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